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LETZTE AUFFÜHRUNG „AUFSTAND DER HUREN“

Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Lili,
Sehr verehrtes Publikum,
Dear People of the Press,

Am vergangenen Freitag fand unsere Aufführung
 „Aufstand der Huren“ statt.
Das Stück begann in unserem Keller in Neukölln, führte durch die Stadt nach Schöneweide und sollte zur Eröffnung eines Theaters führen. — Letzteres wurde jedoch mit Waffengewalt verhindert und das Gebäude in der Schnellerstraße 104 steht weiterhin leer rum. 
Der Artikel von Marie Frank im Neuen Deutschland gibt einen guten Überblick über unsere Absichten und die Ereignisse des Abends. Eine Korrektur: Wir wollen in Schöneweide produzieren, nicht nur in Karlshorst präsentieren!

Über die theatralen Aspekte des Abends schrieb Tom Mustorph in der TAZ.

Außerdem, es fehlen einige Informationen und Fragen, die wir hier nachreichen wollen:

1) Unserer Theateraufführung stand ein bizarres Polizeiaufgebot gegenüber. Wir gehen von zwei Hundertschaften der Polizei aus. An einem Ort zählten wir 15 sog. Polizeiwannen. Die genaue Zahl können wir nur erahnen, da im Internet keine Informationen darüber zu finden sind. 
Außerdem begleiteten Zivilpolizisten die Schauspieler im Verhältnis von 1:1 durch die Straßen Schöneweides und jede Szene war bestückt mit staatlichen Statisten, die sich stets redlich bemühten auffällig unauffällig zu spielen. — Wir möchten gerne wissen wieviel Geld dafür ausgegeben wurde! Und warum?
Schon jetzt können wir sagen, dass die Kosten für die Statisterie unsere Produktionskosten bei erheblich überschreiten. Geld, dass  auch einfach in die Kultur gesteckt werden könnte, anstatt sie mit Gewaltandrohung zu verhindern. 
Wieviel hat das gekostet? Wieviele Statisten waren es? Wer hat diesen Polizeieinsatz angeordnet?  – War es Müller? War es Lederer? –  Wir möchten das gerne wissen, also bitte, fragen Sie nach.

2) Unsere Theateraufführung wurde mit einer Durchsuchung und Personenkontrolle unterbrochen! Die Begründung war, dass wir nach Schusswaffen durchsucht werden sollten. — Wo sind wir denn hier gelandet? Niemand von uns hat die Absicht überhaupt jemanden körperlich zu verletzen, auch keinen Polizisten. — Von uns kommen diese Bürgerkriegsfantasien nicht! Und wie kann es sein, dass mit solchen Fantasmen die Kunstfreiheit außer Kraft gesetzt werden kann?

3) Jetzt wird’s grundsätzlicher: Es mag eine Zeit gegeben haben, wo unsere Form der Produktion eine gewisse Steigerung der Lebensbedingungen bewirkt hat. Nun, das ist schon ein paar Jährchen her. Unser derzeitiges System ist schlicht am Ende und wir alle wissen das. — Viele sehnen sich nach einer vermeintlich guten Zeit, werden zynisch oder resignieren. Wir haben da keine Lust drauf, weil wir wissen, dass Menschen sich ihre Regeln selber geben & ihre Geschichte selber machen können, erst recht mit dem derzeitigen Stand der Technik. — Wir haben keine Lust auf Rückzugsgefechte, die man nur verlieren kann. 

Unsere Inszenierung und auch das Theater, welches wir eröffnen werden, haben zum Inhalt, eine neue Form der Vergesellschaftung und der demokratischen Produktion zu erproben und vorzuführen. DAS klassische Ziel der Linken. — Wir haben in unserem Stück über Eigentum geredet, Liebe, Verrat, Verzweiflung und Erotik. Der einzige inhaltliche Punkt, den wir von Stadtregierungsseite in unsere Inszenierung geschrieben bekommen haben war: Gewalt. — Ziemlich martialisch, einfallslos und langweilig. — Was wollen die noch wirklich?
Warum heißt diese Partei DIE LINKE? Wo kommen die GRÜNEN nochmal her? Und der SPD ging es doch vor über 110 Jahren auch mal um was anderes.
Wir haben keine Lust auf Kriegsspielchen und Katz-und-Maus mit der Polizei. Wir möchten gerne gut arbeiten, gut essen, gut dabei aussehen und angenehm unsere Tage verbringen. — Warum wird mal wieder da gegen aufmarschiert? 

So, das zum vergangenen Freitag, aber es geht weiter:

EINLADUNGEN UND INFOS
Von der „Hochschule  Ernst-Busch“ wurden wir eingeladen am 13. oder 14.04. unseren Plan für das Haus in Schöneweide zu präsentieren und zu besprechen. Wir kennen die Taktiken Tod durch Umarmung und Am langen Arm verhungern lassen & können deshalb das Angebot mit Dank annehmen. — Wenn Uhrzeit und Ort final feststehen, erlauben wir uns, Sie erneut darauf hinzuweisen. 
Dann noch, am Donnerstag haben wir in unseren Räumen in der Karl-Marx-Str.58 wie jede Woche ab 21 Uhr einen Musikabend. Kommen Sie vorbei und sprechen Sie uns an. — Durch den Verrat unserer Pläne sind wir vorsichtiger geworden, aber immer wollen wir neue Mitstreiter! 
UND: Hier finden Sie die Aufzeichnung vom vergangenen Freitag als Film. Wir können mit bescheidenem Recht sagen, dass wir eine neue Form von Theater entwickelt haben. 

Don’t panic, wir bleiben heiter.
Wir bleiben am Ball und sie hoffentlich nicht am Bildschirm,

Mit herzlich hochachtungsvollen Grüßen,


DAS NIE.KOLLEKTIV

Presseerklärung des NIE KOLLEKTIVS zu den Ereignissen am 29.03.2019